Information Raspe / Mauke

Es besteht kein Rechtsanspruch auf die Richtigkeit der gemachten Angaben.

Dieses Info über Mauke und Raspe beinhaltet meine persönlich gesammelten Informationen und hat weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch ersetzt es den Tierarzt und eine Untersuchung vor einer Behandlung.

 

Mauke wie Raspe sind ähnliche Krankheitsbilder nur mit unterschiedlicher Lokalisation.

Mit Mauke bezeichnet man die Symptome im Bereich der Fesselbeuge und des Fesselkopfes.

Mit Raspe bezeichnet man die Symptome im Bereich des Sprung- und/oder Karpalgelenkes.

Ein Übergreifen in die angrenzenden Regionen kann fließend auftreten.

Pferde mit Mauke müssen nicht gleichzeitig auch eine Raspe entwickeln und umgekehrt.

Aus medizinischer Sicht sind es Dermatitiden (Hauterkrankungen) am Bein des Pferdes. Dies können sowohl feuchte als auch trockene Ekzeme sein aufgrund bakterieller Infektionen, Pilzinfektionen, Milbenbefall, Wundentzündungen nach Verletzungen, allergische Ekzeme oder auch Symptome einer inneren Erkrankungen in Form von einer Ausleitungsstörung. Es kann nur die oberste Hautschicht betreffen oder sich auch auf die gesamte Haut mit Unterhaut ausdehnen.

 

Da die Verschlimmerung einer solchen Infektion bis hin zur Euthanasie führen kann sind die Warnzeichen zu beachten. Die Erkrankung wird heute in fünf Stadien eingeteilt:

Erstes Stadium: Dermatitis erythematosa - die Haut ist nur leicht gerötet

Zweites Stadium: Dermatitis madidans - jetzt ist die Haut bereits leicht geschwollen/verdickt und erwärmt

Drittes Stadium: Dermatitis crustosa - in diesem Stadium kommt es nun zu Hautläsionen an der Oberfläche mit Wundsekret

Viertes Stadium: Dermatitis squamosa - die Haut quillt auf mit schmierigen Auflagerungen und kleinen Wunden. Die Haut ist druckdolent = Berührung ist schmerzhaft

Fünftes Stadium: Dermatitis verrukosa - es entstehen Wucherungen über das normale Hautniveau hinaus

 

Ab dem dritten Stadium entsteht bereits eine Sklerosierung der Haut, was bedeutet, dass die Elastizität verloren geht. Damit wird die Erkrankung chronisch. Die unelastische Haut reißt schnell wieder auf, Bakterien/Pilze/Parasiten  können in diese Hautverletzungen eintreten und der Kreislauf beginnt von vorne. Bei tiefen Hautverletzungen entsteht nach Heilung eine Narbe. Narbengewebe ist wesentlich unelastischer und bedarf ständiger Pflege.

Ist also ein Pferd bereits in diesem Stadium, muß uns klar sein, dass es keine Heilung gibt. Man muss die Wundheilung fördern und die dann entstandenen Narben penibler Pflege unterziehen, damit der Kreislauf unterbrochen bleibt.

Ein scharfer Grashalm kann schon zu einer Mikroverletzung führen, ebenso wie ein Insektenstich. Deshalb bedarf es neben der Überdenkung der Haltungsbedingungen auch sorgfältiger täglicher Kontrolle auf Mikroverletzungen und sofortiger Behandlung mit desinfizierenden Wundsalben.

In der Regel liegt eine Mischinfektion ausgelöst von Bakterien, Pilzen und/oder Parasiten vor - das ganze durch Prädisposition und/oder Haltungs- sowie Fütterungsfaktoren begünstigt:

Infizierte kleine Hautwunden (Ballentritte, kleine Biß- oder Reißwunden, Insektenstiche)

Nässe allein schadet nicht, wohl aber kontaminierte Nässe mit Fäkalien und/oder anderen Chemikalien, in der Rosse z.B. durch herunterlaufendes Sekret und häufigen Harnabsatz sowie schlecht abgeäppelte Paddocks und Weiden.

Auch die beliebte Matratzeneinstreu ist Gift für diese Hauterkrankung

Bei Stroheinstreu kann durch das Stroh ebenfalls kleinste Mikroverletzungen verursacht werden die zu einer erneuten oder permanenten Infektion führen

Der in der Regel vorhandene Juckreiz, insbesondere bei parasitärer (Milben) Beteiligung führt zu Scheuern und Verbeißen der Stellen mit entsprechenden Hautläsionen die wiederum Keimen und Parasiten ein Schlaraffenland bieten

Kötenbehang sollte nur im Extremfall rasiert werden, denn der Behang ist wichtig zum Schutz der Haut. Außerdem reizen die nachwachsenden Stoppeln wieder die Haut und führen durch den Juckreiz ebenfalls zu erneutem Scheuern.

Auch zuviel Bürsten und Kämmen ist schädlich. Immer auf die “Schärfe” von Borsten und Kamm achten. Reizungen sind hier vorprogrammiert.

Tägliches Waschen ist genauso schädlich, es sei denn es sind medizinische Waschungen z.B. verordnet vom Tierarzt gegen Parasiten. Ist es dennoch nötig, nach dem Waschen sorgfältig die Fesselbeugen abtupfen, nicht reiben wegen der Reizung

Reine fetthaltige Salben oder Öle zur Pflege sind zu vermeiden, da sie die Oberfläche luftdicht abschließen können und darunter vorhandenen Bakterien (die sich nun mal nicht gänzlich vermeiden lassen) zu einem exzellenten Klima der Vermehrung verhelfen.

Gamaschen, Springglocken etc sollten nur auf penibel saubere Beine kommen, da hier sonst durch Schmutz kleinste Verletzungen entstehen können.

Spurenelemente-, Vitamin- und Mineralstoffmangel ist ein oft gesehenes Phänomen bei Pferden mit Hautproblemen. Ein Überschuss ist aber genauso schädlich. Daher nicht unkontrolliert zufüttern. Eine regelmäßige Überprüfung der Stoffwechselparameter durch den Tierarzt ist bei einem Mauke/Raspepferd hilfreich.

Ebenfalls ist die Fütterung selbst zu überprüfen. Eine Übersäuerung durch falsches Futter kann ebenfalls zu einer Mauke/Raspe führen wie zu viel Energie von zu “fetten” Weiden.

Gelegentliche Blutbilder können Aufschluß über mögliche Innere Erkrankungen geben. Erkrankungen von Leber und Niere verursachen Entgiftungsprobleme und die wirken sich immer auf den Hautstoffwechsel aus.

 

Egal was eingesetzt wird, alles sollte immer mit dem behandelnden Tierazt abgesprochen werden. Ich rate dringend von laienhaften Selbstbehandlungen ab. In schweren Fällen ist eine Kortison und/oder Antibiotikabehandlung sowie Parasitenbehandlung je nach Ursache nötig. Nachfolgende Vorschläge, die ich selbst im Laufe der Zeit aus der einschlägigen “Pferdeszene” zusammen getragen, betreffen die Nachbehandlung eines chronifizierten Geschehens. Bei einer akuten Infektion ist immer der Tierarzt zur Diagnose zu konsultieren. Dabei sollte dann kein verfälschtes Bild durch vorhergehende Behandlungsversuche mit irgendwelchen Salben und Tinkturen vorliegen.

Es sind nicht Mittel gelistet, die vom Tierarzt verschrieben werden müssen wie Antibiotika, Kortisonpräparate, Antiparasitika etc 

Einige Therapievorschläge habe ich selbst unter Rücksprache mit unserem Tierarzt angewendet - da ich aber unsere Isa nicht zum Versuchkaninchen mache, probiere ich nicht wahllos Mittel aus. Ich bespreche alles mit unserem Tierarzt. Daher kann ich nur wenige eigene Erfahrungen und Mißerfolge dieser Vorschläge in unserer Verlaufsdokumentation berichten.

Die Krux dieser Erkrankung ist die vielfältige Ursache, was bei dem Einen hilfreich war kann bei einem Anderen zu einer Verschlimmerung führen. Auch sind manche Mauke/Raspe Kandidaten zusätzlich prädisponiert für Allergien, deshalb bei jedem Produkt immer gut auf eine allergische Reaktion achten. Wir mussten selbst diese Erfahrung machen ...

Aloe Vera Produkte - wird schon seit Jahrhunderten in der Hautpflege und Wundheilung eingesetzt

Aktivlotion - pflanzlichen Extrakte aus Brennnessel, Johanniskraut und Nelken zur Hautpflege bei Mauke, Sommerekzem und Sonnenbrand

Babyöl - reines Pflegemittel ist eher nur für die Narbenpflege geeignet

Bac Control Speed - Reinigungsmittel enthält probiotische Bakterien

Ballistol animal - das Allheilmittel der Großväter, Öle haben jedoch den Nachteil die Haut zu verschließen. Es löst allerdings gut die Krusten und kann bei gelegentlicher Anwendung seine Berechtigung haben

Biogel - Mischung aus natürlichen und organischen Kräutern und Mineralien zur Wundpflege enthält Nelke 0.7%, Pfefferminz 0.5%, Zimt 0.4%, Piment 0.2%, grüne Minze 0.2% und Neroli 0.1%.

Biowash - heilförderndes, pilzbefallverhütendes und antibakterielles Shampoo- und Pflegeprodukt, genauere Inhaltangabe ist auf der Website nicht vorhanden

Derby Hautlotion - enthält Panthenol und Urea. Wirkt juckreizlindernd und heilungsfördernd.

Derby Maukesalbe - enthält einen PVP-Jod Komplex zur Verbesserung der Wundhygiene, Zink und pflegende Öle

Derfen - eigentlich im Bereich Sommerekzempflege hat es aber auch schon bei Mauke zu Erfolgen geführt. Beinhaltet Arganöl, naturreiner Bienenwachs, grüne Tonererde und Muskatrosenöl.

Dermacur - wundheilungsfördernde Pflegecreme mit Dexpanthenol

Echinaceasalbe - kann Abwehrkräfte der Haut stärken, auch in Kombination mit Ringelblume erhältlich

Effol Hautrepair - Wund- und Heilsalbe, enthält Panthenol, ätherische Öle, Avocadoöl, Zinkoxid, Harnstoff, Bisabolol

EM = Effektive Mikroorganismen - zur Milieuverbesserung äußerlich, kann aber auch innerlich verabreicht werden: Pro MilieuCare Mikroorganismenkomplex, flüssiges Pflegemittel für Pferd und Stall beinhaltet Fotosynthese- und Milchsaurebakterien dominiertes, flüssiges Multimikrobenpräparat zur äußerlichen Pflege von Pferd und Stall. ProBiotiX LIFE, VITAL & POWERFIT Ergänzungsfuttermittel für Pferde - Fermentierter Kräuterextrakt kann das Darmmilieu und somit die Verdauung der Pferde positiv beeinflussen. Inhalt u.a. Milchsäurekulturen und Hefen, biologisch zertifizierter Zuckerrohrmelasse, biologisch  zertifizierten Kräutern (kontrolliert biologischer Anbau, kbA)

Kartoffelstärke - wieder ein altes Hausmittel der Großvatergeneration - kann zum Abtrocknen feuchter Mauke in trockener Haltung verwendet werden

Lexa MauCare - Pflegelotion enthält u.a. Panthenol, Ringelblume, Kamille, Milchsäure und durch Bisabolol leichte antibakterielle Wirkung

Lexa SkinCare - Pflegelotion enthält u.a. Panthenol, Kamille, Hamamelis und Zink und durch Bisabolol leichte antibakterille Wirkung

Mauke/Ekzemseife (Blickfang Wohlgefühl) - heilungsfördernd, löst Krusten

Melkfett mit Ringelblume - heilt die Haut geschmeidig, aber nur indirekt Heilungsfördernd

Neem/Niemprodukte - erhältlich als Salbe und Lotion, heilungsfördernd und desinfizierend führt jedoch bei einigen Pferden zu Allergien. Mittlerweile gibt es auf einigen Produkten schon den Hinweis dazu in der Packungsbeilage.

Octanisept - wässriges Wund- und Schleimhautantiseptikum, zur Desinfektion bei infizierten Wunden, wie alle Desinfektionsmittel nicht zur Dauerbehandlung!

Octenisan - antiseptische Waschlotion, wie alle Desinfektionsmittel nicht zur Dauerbehandlung geeignet

Panthenolsalbe - wundheilungsfördernde Salbe mit hohem Anteil Dexpanthenol

Pigoil -  (Original)  hier konnte ich der Website entnehmen das es ein Mineralöl (jedoch nicht welches Öl) ähnlich einem Babyöl gemischt mit Sulphur/Schwefelpulver ist. Sulphur/Schwefel ist ein altbekannter Heilmittelzusatz in der Dermatologie.

Polyvidonjod - gibt es als Salbe oder Lösung zur Desinfektion und zum Abtrocknen der Wunde, zu bedenken ist jedoch das diese Form der Desinfektion schmerzhaft ist - Octanisept ist da die erste Wahl. In der Salbenform wirkt die Grundlage dem Austrocknen der Haut entgegen. Nicht als Dauerbehandlung geeignet.

Repair and Care SOS Body Lotion von Nivea - enthält Dexpanthenol, wirkt pflegend

Ringelblumensalbe (Calendula) - heilungsfördernd auf nicht fetthaltiger Basis

Shireoil/Clydesdaleoil/Coboil -  allen gemeinsam ist wohl die Grundlage mit Sulphur und einem Ölgemisch. Welches Öl und Zusätze genommen wird, konnte ich der Website nicht entnehmen. Sulphur/Schwefel ist ein altbekannter Heilmittelzusatz in der Dermatologie.

Skinguard - heilungsfördernd durch Panthenol und leichte antibakterielle Wirkung durch Bisabolol

Ureahaltige Bodylotion oder Cremes - unterstützt den Feuchtigkeitsgehalt der Haut, wirkt juckreizlindernd

Wala Narbengel - enthält eine Kombination aus regenerationsfördernden, strukturierenden Bestandteilen. Auszüge aus Lebensbaum (Thuja occidentalis) und Küchenzwiebel (Allium cepa) wirken  Wucherungen und Verhärtungen entgegen. Ãtherisches Rosmarinöl fördert  die Durchblutung und verhindert die Auskühlung.

Weleda Hautcreme Skin Food - beruhigend und heilungsfördernd u.a. durch Zinksulfat, Ringeblumen und Kamillenblüten

Wilms Produkte aus Kiefer-Kernholz - PinusFauna ist ein rein natürlicher Extrakt des Kiefernkerns zur Pflege und zum Schutz von Haut und Fell

Zinksalbe - heilungsfördernd

 

Vergleicht man die Mittel, so findet man bei allen mehr oder weniger Kombinationen aus bekannten Heilpflanzenauszügen oder synthetischen Mitteln zur Heilungsförderung der Haut. Vorangehen muß für eine wirkungsvolle Nutzung die Ursachenforschung. Da diese so schwierig und vielfältig ist finden wir immer wieder Fälle wo die Therapien oft ins Leere laufen. Eine gute Beobachtungsgabe und selbstkritische Hinterfragung der Haltung, Fütterung und Pflege ist unabdingbar. Selbst bei besten Haltungs- und Fütterungsbedingungen kann durch eine Mikroverletzung die Kreislauf auf ein Neues gestartet werden. Es ist an uns dies frühzeitig zu erkennen und einzugreifen. Raspe/Maukepferde sind immer Pfleglinge mit hohem Zeitaufwand, aber ich würde unsere Isa niemals wegen diesem Mehr- und Kostenaufwand hergeben.

 

In diesem Sinne wünschen ich allen Pferden und Haltern genug Ausdauer und Geduld auch diese Herausforderung zu meistern.

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